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Studienabschlussstipendium: Neuregelung des Gebührenerlass für erwerbstätige Studierende

Studierende, die neben dem Studium erwerbstätig sind, deswegen weniger Zeit für ihr Studium haben und die Toleranzsemester überschreiten, sind seit dem Wintersemester 2018/19 nicht mehr von Studiengebühren befreit. Die Regierung ließ den §92 des Universitätsgesetzes, der die Befreiung von den Gebühren vorsah, einfach auslaufen - ein Schritt hin zu allgemeinen Studiengebühren, wie sie im Schwarz-Blauen Regierungsprogramm vorgesehen sind. Wir finden: Arbeitende Studierende dürfen nicht aus der Uni gedrängt werden. Das führt nur zu weiteren sozialen Ausschlüssen. Wer nicht genug Kohle hat, wer neben dem Studieren arbeiten muss, dem bleibt das Studium verwehrt. Dabei ist die soziale Durchmischung an österreichischen Unis ohnehin schon miserabel.

Seit Bekanntwerden setzt sich die ÖH Uni Wien nun in Verhandlungen mit der Universität Wien für eine autonome Lösung dieses Problems ein. Durch die Kooperation mit der Uni wurde nun ein sogenanntes “Studienabschlussstipendium” eingerichtet. Die bezahlten Studiengebühren (regulär 363,36, Euro) können damit fast gänzlich (350 Euro) von der Uni wieder zurück geholt werden.

Der große Haken: Um Anspruch auf das Stipendium zu haben, müssen eine Reihe von Kriterien erfüllt werden. So müssen zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens schon zwei Drittel der für das jeweilige Studium erforderlichen ECTS absolviert sein. Auch müssen im Vorjahr absolvierte 16 ECTS oder im letzten Semester 8 absolvierte ECTS nachgewiesen werden - man muss also “prüfungsaktiv” sein. Das gilt für den PhD oder die Masterarbeit natürlich nicht. Hier muss ein “Fortschrittsbericht” eingebracht werden. Zur Antragstellung braucht man außerdem einen Einkommensnachweiß: Jede_r der über die Geringfügigkeitsgrenze und maximal 15.000 Euro brutto im Jahr verdient, und die erforderlichen ECTS nachweisen kann, bekommt dann schlussendlich das Stipendium.

Wir sind froh, gemeinsam eine Neuregelung erreicht zu haben. Trotzdem kritisieren wir dabei vor allem den leistungsbezogenen Charakter des Stipendiums. Nicht alle Studierende schaffen es jährlich 16 ECTS zu absolvieren. Andere wiederum arbeiten von Anfang des Studiums an, und haben somit noch keine ⅔ der ECTS abschließen können. Auch die Obergrenze der Erwerbstätigkeit mit 15.000 im Jahr ist zu niedrig gesetzt, denn schon die Armutsgefährdungsgrenze in Österreich betrug 2017 1237,58 Euro im Monat. Studierende, die sich selbst ernähren müssen, sind mit 15.000 Euro im Jahr also keineswegs so vermögend, dass sie sich mit Leichtigkeit Studiengebühren leisten könnten.

In einem Unisystem, das von einem neoliberalen ÖVP-Wissenschaftsministerium geleitet und unter Druck gesetzt wird, ist dem Anschein nach nur ein leistungsorientiertes Modell möglich. In einem Bildungssystem, in dem Bildung nichts mehr wert ist, zählen nur noch möglichst schnelle Abschlüsse und Absolvent_innenzahlen, eine möglichst schnelle Verfügbarkeit am Arbeitsmarkt. Wer da nicht hinein passt, fliegt raus.

Nichtsdestotrotz bedanken wir uns bei der Uni Wien für ihre Kooperationsbereitschaft und sind froh, zumindest für jene Studierende, die die Voraussetzungen erfüllen, eine Möglichkeit gefunden zu haben, mit der sie sich nicht exmatrikulieren müssen. Denn daraus wird es hinauslaufen: Jene, die sich die Gebühren nicht mehr leisten können, werden aufhören, an der Uni Wien zu studieren.

 

Anträge können im Zeitraum von 1. Oktober 2019 bis 30. November 2019 gestellt werden.
Das Stipendium gilt erstmal für das Wintersemester 2018/19 und das Sommersemester 2019.

 

FAQ's zum Studienabschluss-Stipendium:

https://blog.univie.ac.at/?p=7883&preview=1&_ppp=37a5d0cc58

 

Weitere Informationen:

https://slw.univie.ac.at/studieren/studienbeitrag/studienabschluss-stipendium-fuer-berufstaetige-studierende/

 

Unsere Presseaussendung dazu:

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180921_OTS0077/oeh-uni-wien-er...

 

Die Presseaussendung der Universität Wien (mit Kommentar von uns):

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180921_OTS0041/universitaet-wi...