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ÖH Uni Wien fordert klare Worte von der Universitätsleitung!

Auf der Universitätsvertretungsitzung am letzten Freitag wurde ein Antrag beschlossen, der dieser Tage die Wellen hochschlagen lässt: "Kein Hörsaal dem Faschismus".

In diesem Antrag fordert die ÖH Uni Wien - endlich! - eine dezidierte Distanzierung der Universitätsleitung gegen den wöchentlichen "Burschibummel" und deutschnationale Burschenschafter an der Uni.

Hier findet ihr nochmals den ganzen Antrag:

Kein Hörsaal dem Faschismus.

2015 feiert die Universität Wien ihr 650-Jahr Jubiläum. Teil dieser Geschichte sind die Jahre 1934-1945. Während der Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus war die Uni Wien eine wichtige Stütze der austrofaschistischen und nationalsozialistischen Elite. Viele wichtige Ämter in Staat, Wirtschaft und auf der Uni wurden von aktiven oder ehemaligen Mitgliedern diverser Studenten[sic!]verbindungen ausgefüllt.
Die intellektuelle Elite des Austrofaschismus rekrutierte sich zu großen Teilen aus dem Cartellverband. Der CVer Engelbert Dollfuß wurde nach ´45 von konservativer Seite als patriotischer Widerstandskämpfer gegen die Nazis verklärt. Sein Ziel der autoritären Umgestaltung der Gesellschaft, setzte er unter anderem mit der Ausschaltung des Parlaments, dem Verbot jeglicher Opposition sowie der militärischen Niederschlagung der Arbeiter_innenbewegung durch.
Nach 1938 hat sich ein Großteil der deutschnationalen Burschenschafter mit dem Nationalsozialismus arrangiert bzw. ihn stark befürwortet und stellte wichtige Führungskader im nationalsozialistischen Regime.
Doch auch in der Zeit vor 1934 waren diese Gruppen auf der Universität Wien aktiv. So wurden etwa bei "Studentenkrawallen" jüdische und sozialistische Stundent_innen aus Hörsälen gezerrt und verprügelt. Und ideologischem Rückhalt unter den Lehrenden bis hinauf ins Rektorat.
Auch nach 1945 setzten sich diese kämpferische Auseinandersetzungen fort – als tragisches Beispiel sei hier die Ermordung Ernst Kirchwegers 1965 durch einen Burschenschafter sowie die Beteiligung des Burschenschafters Friedrich Stefans als eins unter vielen Mitgliedern des Unirats (bis 2008) und nicht zuletzt der wöchentliche Bummel zum Siegfriedskopf erwähnt, welcher erst nach massiven Interventionen von Antifaschist_innen seitens der Universität verlegt und historisch kontextualisiert wurde. Bis heute gilt der "Mittwochsbummel" als Fixtermin bei deutschnationalen Burschenschaften. Erst vor zwei Wochen marschierten hierbei bekannte Neonazis der Hooligangruppe "Unsterblich" gemeinsam mit den Burschenschaften auf. Die Universität Wien darf zu diesem Bummel nicht mehr schweigen!
Aufgabe der Universität Wien sollte sein, sich diesbezüglich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Organisationen und Einzelpersonen, wie Othenio Abel, Eduard Pernkopf und Julius Wagner-Jauregg, die im Faschismus eine wichtige Position inne hatten, oder bis heute einen positiven Bezug auf ihn haben, dürfen auf der Uni Wien keinen Ehrenplatz haben.

Auch die Idee einen „Wissenschaftsball“ als den (!) „Ball für Wissenschafter_innen“ zu veranstalten und diesen nicht dezidiert als Gegenveranstaltung zum Akademikerball zu erklären, zeugt davon, dass sich das Rektorat der Universität Wien bewusst gegen eine klare Distanzierung positioniert.
Rechtsextremen, deutschnationalen Gedankengut darf kein Raum gegeben werden – nicht an der Universität Wien oder sonst wo!

Deshalb möge sich die Universitätsvertretung der Uni Wien dafür einsetzen, dass

• die Verstrickungen der Uni Wien wissenschaftlich und kritisch aufgearbeitet wird.
• Personen, die einen positiven Bezug zum Faschismus hatten nicht mehr gewürdigt werden (z.B. Ignaz Seipel oder Konrad Lorenz). Bestehende Denkmäler müssen entsprechend kontextualisiert werden.
• das Tragen von "Couleur" auf dem Universitätsgelände und bei Universitätsveranstaltungen untersagt wird.
• Die Universität Wien öffentlich wirksam ein klares Statement gegen rechtsextremes und deutschnationales Gedankengut, den wöchentlichen „Burschibummel“ sowie den Akademikerball abgibt.
• Weiters soll sie den Burschibummel sowohl auf dem Universitätsgelände als auch auf der Unirampe untersagen.

Der Antrag wurde mit 18 Prostimmen, zwei Enthaltungen und sechs Gegenstimmen angenommen.