Sie sind hier

Sexualisierte Gewalt an der Universität

 
 
Ende Jänner 2016 warnte die Fakultätsvertretung Jus, dass auf Toiletten im Juridicum der Uni Wien ein Unbekannter Studentinnen* belästigt. Zwei Fälle wurden bereits zur Anzeige gebracht, weitere Vorfälle von Belästigung und sexualisierter Gewalt wurden auf Facebook gepostet und auch wahlwerbende Gruppen haben bereits darauf aufmerksam gemacht, dass sexualisierte Übegriffe auf Studentinnen keine Einzelfälle sind. Die Universität reagierte darauf, indem sie Zettel mit den Nummern von Polizei und Sicherheitsdienst an den WC-Türen anbrachten. Schutz vor sexualisierter Gewalt sieht anders aus. Prävention sieht anders aus. Studentinnen* sind nach wie vor verschiedenen Formen von Gewalt an Universitäten ausgesetzt. Die ÖH Uni Wien hat dazu einen Forderungskatalog ausgearbeitet, den ihr ganz unten findet. Zuvor jedoch ein Überblick zur Situation von Frauen* an Hochschulen: 
 
Als wäre ein Professor mehr wert als ich
 
Die Zeitung der ÖH Bundesvertretung veröffentlichte 2013 einen Artikel unter dem Titel „ Als wäre ein Professor mehr wert als ich“, der sexuelle Belästigung an der Uni thematisierte. „Im Jahr 2012 veröffentlichte die Ruhr-Universität Bochum eine Studie, die 22.000 Studentinnen von 34 höheren Bildungseinrichtungen in Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien zu den Themen sexualisierte Gewalt, Belästigung und Stalking befragte. In dem EU-Projekt gaben 61 Prozent der Befragten an, während ihres Studiums mindestens einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein. Rund ein Drittel der Frauen schilderte, dass ihnen nachgepfiffen wurde oder anzügliche Bemerkungen gemacht wurden. Knappe 15 Prozent gaben an, dass ihnen jemand auf unangenehme Weise zu nahe gekommen sei.“
 
 
2015 wurde bekannt, dass ein Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien jahrelang sexuelle Übergriffe auf Studentinnen und Kolleginnen getätigt hatte. Die Disziplinarkommission des BMWFW belegte ihn dafür nur mit einer Geldstrafe. Im Interview spricht eine Betroffene über die Systematik der Übergriffe: "Es gab kaum eine Interaktion zwischen ihm und einer Frau, die nicht von diskriminierenden, sexistischen oder belästigenden Vorfällen begleitet war. Es handelt sich um ein systematisches Vorgehen und nicht um einzelne Liebeleien." Der Professor hatte dabei seine Machtposition ausgenutzt. "Er hat sich gezielt Frauen gesucht, die im Vergleich zu ihm eine schwächere Position hatten. Durch die Pragmatisierung ist seine Position meist gesicherter und das nutzt er bewusst aus." Am Institut sei diese Praxis seit Jahren bekannt gewesen. Nach dem milden Urteil fühlen sich die Betroffenen von der WU alleingelassen. "Das mit einer Geldstrafe begleichen zu können, wird der Schwere der Taten einfach nicht gerecht. Dieses Urteil hat uns lediglich die Machtlosigkeit vor Augen geführt, auch weil die Milde eine Art Legitimation darstellt." Kritisiert wird auch die Geheimhaltungsvereinbarung: "Es ist problematisch, dass niemand gewarnt werden und aufgeklärt werden kann, dass er bereits verurteilt wurde."
 
 
Die Causa um den WU-Professor, der Studierende belästigt, ist leider kein Einzelfall an Österreichischen Hochschulen. Die Antidiskriminierungsstudie der ÖH zeigte, dass im Bachelor 19,9% der Befragten Diskriminierungserfahrungen gemacht haben, im Doktorat sogar 42,7% der Befragten. Einige der Fälle wären sogar strafrechtlich relevant gewesen, dennoch zeigten 72% die Diskriminierung nicht an.
 
Was tun?
 
Betroffene können sich persönlich, telefonisch oder via E-Mail an das  Frauen*Referat der ÖH Uni Wien wenden. Das Referat unterstützt und berät euch und ist parteiisch mit euch. Die Beratung findet jeden Montag von 13-16 Uhr statt. Betroffene werden ausdrücklich ermutigt, Belästigungen  jedweder Art zur Anzeige zu bringen.
Als Anlaufstelle dazu dient der  Frauennotruf der Stadt Wien ((01)- 71 719), der Betroffene auch ins  Krankenhaus, zur Polizei und vor Gericht begleitet. Zusätzlich gibt es noch den Weißen Ring, der psychologische Beratung für Betroffene von Kriminalität anbietet: 0800 112 112
 
Was kann ich tun, wenn ich von Diskriminierung (aufgrund des Geschlechts) betroffen bin. Hier eine Übersicht über die rechtliche Situation an der Uni:
Die Arbeitskreise für Gleichbehandlung gibt es meist bereits seit den frühen 90er Jahren, sie sind gesetzlich festgeschrieben und seit der UG-Novelle auch mit mehr Kompetenzen ausgestattet. Außerdem sind ihre Kontakte vergleichsweise einfach zu finden, da die Homepage der Universitäten meist mit einer Unterseite “Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen” ausgestattet ist. Aufgaben sind vor allem: Diskriminierung durch Universitätsorgane entgegenzuwirken, Gleichbehandlungsfragen bzgl Religion, Geschlecht, Weltanschauung, sexueller Orientierung, Alter etc. Außerdem kann bei Vorfällen von Diskriminierung oder Sexueller Belästigung auch Beschwerde beim AKG eingreicht werden und dieser kann dann ein Schiedgericht einberufen.Die rechtliche Grundlage für die Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen bietet der Paragraph 42 im Universitätsgesetz.
 
Unsere Forderungen an die Universität sind somit klar:  
  • Räumlichkeiten für FLIT*(Frauen, Lesben, Inter- und Trans-)-Personen, die Schutz bieten, einen Rückzugsort darstellen und auch Beratung und Unterstützung anbieten
  • Information für das Sicherheitspersonal über die bestehende Rechtslage bezüglich Sexualdelikte und Sensibilisierung für den Umgang mit Betroffenen von sexualisierten Übergriffen
  • Information für Studierende über die Vorfälle 
  • Ein klares Vorgehen gegen die Täter seitens der Universität und der Justiz
  • Langfristige Sensibilisierung von Lehrenden

Sexualised violence at the university

At the end of January 2016 the law faculty representatives delivered a warning that an unknown perpetrator harasses female* students in toilets at the Juridicum of the University of Vienna. In two cases a charge has already been brought. More incidents of sexualised violence were reported on facebook and student factions pointed that sexualised assaults are not isolated cases. In reaction to this, the University hung up notes with phone numbers of the police and the security service. Protection against sexualised violence is different! Effective prevention measures are different! Female* students are exposed to various forms of violence at the University. Regarding this, the ÖH Uni Wien presents a catalogue of demands (which can be found below). First of all, we give an overview of the situation of women* at universities:

As if a professor was worth more than me 

In 2013 the journal of the ÖH federal branch published the article ‚As if a professor was worth more than me‘ („Als wäre ein Professor mehr wert als ich“) which made sexual harassment at the University a subject of discussion. ‚In 2012 a study by Ruhr-University of Bochum questioned 22.000 female students in 34 institutions of higher education in Germany, Italy, Poland, Spain and Great Britain on sexualised violence, harassment and stalking. During this EU project 61% of those questioned reported that they became subject to sexual harassment at least once during their study. About one third of those questioned pointed out that they suffered whistling or insinuating remarks. Nearly 15 % said that someone approached them in an uncomfortable way.‘ 

ARTICLE OF THE ÖH FEDERAL BRANCH 

In 2015 it became public that a professor at the Vienna University of Economic Sciences committed sexual assaults against female* students and colleagues for years. The disciplinary commission of the BMWFW sentenced him only with a financial penalty. In an interview a woman affected talks about the systematic assaults: ‚Almost all interactions between him and women happened in a discriminatory, sexist or harassing way. These are systematic actions and not single cases of flirtation.‘ The professor abused his position of power. ‚He specifically selected women in weaker positions. Because of his tenure-track position he is more protected and he consciously took advantage of that.‘ At the institute this was known. Following the lenient sentence the women* affected felt left alone by the WU. ‚A financial penalty is out of proportion with the seriousness of the offences. The judgement only pointed out our powerlessness because the clemency seems to be some kind of legitimation.‘  Further, the non-disclosure agreement has to be criticised: ‚It is problematic that nobody can be warned and told that he has already been sentenced.‘

THE FULL INTERVIEW ​

However, the WU professor who harasses students is no isolated case at Austrian universities. The ÖH anti-discrimination study shows: In the bachelor study 19,9 % of those questioned experienced incidents of discrimination. Among doctoral students the number is 42,7 % of those questioned. Some cases would have been relevant under criminal law, but 72 % did not report their experience of discrimination. 

What should I do?

Women* affected can contact personally, by phone or via email the women*department at the ÖH Uni Wien. The department supports and counsels you and it takes clear sides. Counselling hours are on Mondays from 1 pm to 4 pm. We encourage everyone to report any kind of harassment. 

Places to go are the Women's Emergency Hotline of the City of Vienna ((01)- 71 719) which accompanies women* affected to the hospital, the police or to court. In addition, there is the White Ring, an organization providing psychological advice to people affected by criminality: 0800 112 112

What can I do if am affected by discrimination (based on gender)? Here is an overview on the legal situation at the University:

The equal opportunities working parties exist since the early 1990s. They are obligatory by law and assigned with more competences by the UG novella. It is easy to contact them as the hompages of the universities show the subpage ‚equal opportunities working party‘ (“Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen”). Their duties are the following: Preventing discrimination by university governing bodies and equal opportunity issues regarding religion, gender, ideology, sexual orientation, age, etc. In cases of discrimination or sexual harassment a complaint can be lodged with the equal opportunities working party, which can request a court of arbitration. Paragraph 42 Universitätsgesetz (university law) provides the legal basis for equal opportunities working parties.

Our demands are therefore quite clear: 

- Rooms for FLIT*(Frauen/Women, Lesbian, Inter- and Trans-)-persons, in order to provide safe space, a place of retreat and a place where advice and support is given
- The security staff should be provided with information about the current legal situation concerning sex crime and they should be sensitized for the interaction with women* affected by sexual assaults
- Students should be informed about the incidents  
- The University and the judiciary have to take clear action against the perpetrator
- Long-term sensitization of the teaching staff is required