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Rassismus an der Universität

Diskriminierung tritt in vielen Formen auf, sei es durch Einzelpersonen und deren Aussagen oder Handlungen oder auf struktureller Ebene. Die Formen von Rassismen sind sehr unterschiedlich. Institutioneller Rassismus (strukturelle Diskriminierung) bedeutet die Ungleichbehandlung durch öffentliche Stellen und große Organisationen aufgrund der Herkunft, „Ethnizität“ oder des Aussehens. Auch  die Hochschulen in Österreich sind alles andere als ein Raum frei von Rassismus. Wie und wo sich das an der Universität Wien äußert, erklären wir im folgenden Text.

„Falsche“ Staatsbürger_innenschaft

Noch immer ist die wichtigste und zugleich eigentlich unnötigste Frage bei der Anmeldung zu einer Bildungseinrichtung die Frage nach der Staatsangehörigkeit. Durch die „falsche“ Staatsbürger_innenschaft (also weder österreichisch noch von einem

anderen EU/EWR- Land) wird Studierenden die Anmeldung erschwert: Abgesehen von der allgemeinen Hochschulreife, die jede_r Student_in erbringen muss, wird von diesen Personen auch eine besondere Hochschulreife gefordert. Diese ist der Studienplatznachweis, bei dem die Betroffenen auf das Wohlwollen einer Universität in ihrem Herkunftsland angewiesen

sind. Diese Universität kann ihnen dann eine Bescheinigung ausstellen, dass sie an dieser Universität studieren könnten. Erschwert bzw. verunmöglicht wird der Besuch der Universität dadurch für Menschen, die aus ihrem Land fliehen mussten und deswegen keinen Studienplatznachweis erbringen können. Eine zusätzliche Schwierigkeit dabei ist der Vorstudienlehrgang. Universitäten können Studierenden mit nicht-österreichischer Staatsbürger_innenschaft gewisse Ergänzungsprüfungen auferlegen, mit deren Abschluss sie erst studieren dürfen. In den meisten Fällen werden die Deutschkenntnisse überprüft. Aber unter einem enormen Druck in maximal vier Semestern eine neue Sprache auf einem sehr hohen Niveau zu lernen, stellt für  sehr viele Menschen eine große Belastung dar. Dabei gibt es genug englischsprachige Angebote an der Universität, um sich zumindest im Studium damit zurecht finden zu können.

Rassismus durch finanzielle Belastung

Doch auch wenn man es schafft, sich für das Studium anzumelden und den Deutschkurs zu bezahlen, sind die Hürden noch lange nicht bewältigt. Abgesehen von den Barrieren, die für alle Studierende gelten - zum Beispiel die Studien- Eingangs- und Orientierungsphase (StEOP) - gibt es spezifische strukturelle und finanzielle Erschwernisse für Studierende, die keine  österreichische Staatsbürger_innenschaft haben. Eine dieser finanziellen Hürden sind die Studiengebühren. Scheinbar willkürlich dürfen die österreichischen Universitäten herkunftslandabhängig festlegen, welche Menschen wie  viel an Studiengebühren zu zahlen haben. Einige Personengruppen müssen gar keine Studiengebühren zahlen, manche schon. Eine dritte Gruppe muss sogar doppelte Studiengebühren zahlen, die dann über 700€ im Semester ausmachen. Falls die betroffenen Personen nicht das Glück haben, von ihren Familien finanziell unterstützt zu werden, stellt es sich als große Herausforderung dar, überhaupt das Geld für die Studiengebühren und den Deutschkurs zusammen zu bekommen. Das ist zwar eine Hürde für  alle Studierenden die Studiengebühren zahlen müssen, doch im Gegensatz zu ihnen bekommen Studierende ohne österreichische Staatsbürger_innenschaft keine Familienbeihilfe, nahezu keine Stipendien und sind im Arbeitsrecht mehr als benachteiligt. Denn als wäre es nicht schwer genug neben dem Studium zu arbeiten, sind die Betroffenen der Gunst ihrer Arbeitgeber_innen ausgeliefert. Diese müssen nämlich ein Formular für die Angestellten ohne österreichische Staatsbürger_innenschaft ausfüllen.

Von Hürden und Barrieren

Sogar die StEOP ist für viele der Grund einer Abschiebung. Um das Visum verlängert zu bekommen, müssen die Betroffenen 16 ECTS nachweisen bzw. die StEOP schaffen. Da diese Knock-Out-Prüfungen meistens nicht leicht zu bewältigen sind, kann es durchaus passieren, dass man keinen Nachweis erbringen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die 16 ECTS auch nicht anders erreicht werden können, da man in der StEOP keine sonstigen Prüfungen machen darf.

Auch die gewöhnlichen Freiheiten, die jede_r „österreichische“ Studierende in seinem oder ihrem Studium hat, werden den Betroffenen durch rassistische Strukturen genommen. Die Beurlaubung vom Studium wegen einer Schwangerschaft oder wegen schwer nachweisbaren Erkrankungen, wie zum Beispiel einer Depression, ist nicht möglich, da man sonst seinen Aufenthaltstitel als Studierende_r verliert und Gefahr läuft, abgeschoben zu werden.

Als Nichtösterreicher_in sollte man sich auch auf keinen Fall bei der Studienwahl irren. Wo andere probieren dürfen, müssen sich diese Student_innen beim ersten Mal richtig entscheiden oder trotz fehlerhafter Wahl einen Studienerfolg nachweisen können, sonst verlieren sie ihren Aufenthaltstitel.

Smash Racism

Im Referat für antirassistische Arbeit der ÖH Uni Wien kommen immer wieder Beschwerden über alltagsrassistische Vorfälle an der Universität Wien an. Die Beschwerden sind vielfältig und keinesfalls Einzelfälle. Laut Berichten von Studierenden kommt es sehr häufig zu rassistischen Kommentaren von Mitstudierenden, Professor_innen und Mitarbeiter_innen. Abgesehen von „alltäglichem“, sind ausländische Studierende strukturellem Rassismus ausgesetzt. Das Referat für antirassistische Arbeit der ÖH Uni Wien leistet Sensibilisierungsarbeit und äußert öffentlich Kritik gegenüber diskriminierenden Strukturen und Handlungen. Gerne beraten wir dich auch und helfen dir in deinem Alltag an der Uni Wien weiter.

Die Hochschule muss sich dessen bewusst werden, dass ihre Tore die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht ausschließen und auch in ihren Räumlichkeiten Rassismus reproduziert wird. Eine Gesellschaft und somit eine Universität frei von rassistischen Strukturen muss unser aller Anliegen sein, deswegen setzt sich die ÖH Uni Wien aktiv für antirassistische Arbeit ein.