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Kampagne "Was ist das für 1 Uni-Life?"

Das Recht auf Bildung - Gegen Zugangsbeschränkungen
Das Recht eines jeden Menschen auf Bildung ist ein Grundanliegen der ÖH Uni Wien. Ein Recht auf Bildung, wie wir es auffassen, will die Beschränkung eines Menschen auf das Milieu, in das er geboren wurde, durchbrechen. Aufnahmetests, Knock-Out-Prüfungen, Self-Assesments, Voraussetzungsketten, STEOP usw. - das Ministerium und die Universität lässt sich allerhand einfallen, um Studierende aktiv am Studieren zu hindern. Der Universitätszugang in Österreich wird zunehmend erschwert - sei es durch Zugangsbeschränkungen, finanzielle Kürzungen oder Hürden im Studium selbst. 
 
Bereits im März hat die ÖH Uni Wien die Diskriminierung sogenannter drittstaatsangehöriger Studierender durch die Neu-Ausrichtung des Vorstudienlehrgangs der Wiener Universitäten (VWU) scharf kritisiert. Die Kursgebühren werden mit kommendem Wintersemester von 461 Euro auf 1.150 Euro pro Semester angehoben, was zusätzlich zu den Studiengebühren für Studierende aus sogenannten Drittstaaten eine weitere Hürde darstellt. 
 
Wir bestehen darauf, dass sich die Universität Wien Internationalität nicht nur auf die Fahnen heftet, sondern auch Taten folgen lässt. Studiengebühren müssen abgeschafft werden - für alle Studierende.
 
Die Universität Wien will in Zukunft auch 50€ für die Teilnahme an Aufnahmetests einkassieren. So wird in Form von Symptombekämpfung eine studierendenfeindliche Hochschulpolitik betrieben. Die ÖH Uni Wien sowie einige renommierte Studien wiesen in den letzten Jahren mehrfach darauf hin, dass Zugangsbeschränkungen in jeder Form sozial selektiv und abschreckend sind. Frauen, Migrant_innen und Arbeiter_innenkindern wird so der Zugang zur Universtität zusätzlich erschwert.
Wir fordern das uneingeschränkte Recht auf Bildung unabhängig von Nationalität und sozialer Klasse! Der Staat hat sich diesem Auftrag anzunehmen.
 
Bildung im Kapitalismus - Für eine kritische Lehre
Das Bildungssystem ist dem Wirtschaftssystem seit jeher untergeordnet und wird ihm zunehmend angepasst. Das Bildungssystem im Neoliberalismus kennt keinen Platz mehr für individuelles Denken. Die Ausrichtung des Angebots von Lehrveranstaltungen an den Bedürfnissen von einzelnen Konzernen und konkreten Wirtschaftszweigen gehört zunehmend  zum universitären Alltag. Der Vorrang wird also zunehmend der sogenannten Ausbildung zum/zur besser gestellten Facharbeiter_in gegeben, anstatt Menschen das Werkzeug in die Hand zu geben, die Gesellschaft, in der sie leben, zu erkennen, sich in ihr zurecht zu finden und sie am Ende gar zu kritisieren. Als ÖH Uni Wien wissen wir, dass wir das Rad der Zeit nicht einfach zurückdrehen können und wollen das auch gar nicht; was wir jedoch mit aller Kraft versuchen, ist, die letzten Nischen kritischer Lehre an der Universität so gut es geht zu verteidigen, sie auszubauen und zu unterstützen.
 
Die Uni als Teil der Gesellschaft - Gegen jegliche Diskriminierung
Freie Bildung bedeutet für uns: Menschen ein Studium frei von jeglicher Diskriminierung zu ermöglichen. Das Gegenteil ist häufig der Fall. Ende Jänner 2016 warnte die Fakultätsvertretung Jus, dass auf Toiletten im Juridicum der Uni Wien ein Unbekannter Studentinnen*  belästigt. Ein Jahr zuvor wurde bekannt, dass ein Professor an der  Wirtschaftsuniversität Wien jahrelang sexuelle Übergriffe auf Studentinnen und Kolleginnen getätigt hatte. Die Disziplinarkommission des BMWFW belegte ihn dafür nur mit einer Geldstrafe. Die Causa um den WU-Professor, der Studierende belästigt, ist leider kein Einzelfall an österreichischen Hochschulen. Die Antidiskriminierungsstudie der ÖH zeigte, dass im Rahmen ihres Bachelor-Studiums 19,9% der Befragten Diskriminierungserfahrungen gemacht haben, im Doktorat sogar 42,7% der  Befragten. Auch sind die Hochschulen in Österreich alles andere als frei von Rassismus. Im Referat für antirassistische Arbeit der ÖH Uni Wien kommen immer wieder Beschwerden über alltagsrassistische Vorfälle an der Universität Wien an. Die Beschwerden sind vielfältig und keinesfalls Einzelfälle. Laut Berichten von Studierenden kommt es sehr häufig zu rassistischen Kommentaren von Mitstudierenden, Professor_innen und Mitarbeiter_innen. Abgesehen von „alltäglichem“, sind ausländische Studierende strukturellem Rassismus ausgesetzt. wir hier nur wenige erwähnt haben und für die es leider noch viele andere Beispiele gibt - reproduziert  werden. 
 
Was ist das für 1 Uni-Life?
Mit diesem Verständnis von Bildung haben wir es uns zum Ziel der Kampagne "Was ist das für 1 Unilife?" aktuelle Probleme im Bildungs- und insbesondere dem Hochschulsystem zu thematisieren. Zu diesem Zweck wird es zwei Phasen der Kampagne geben, dessen Inhalte folgend näher erläutert werden.
 
Ein antirassistischer Schwerpunkt
Dass die Universitäten kein von der Gesellschaft abgetrennter Raum sind, sondern gesellschaftliche Missstände reproduzieren, zeigt sich auch in diversen diskriminierenden Strukturen. So müssen Studierende aus sogenannten Drittstaaten 726,72 Euro pro Semester,  also doppelte Studiengebühren bezahlen. Der Vorstudienlehrgang (VWU) ist dazu konzipiert drittstaatsangehörigen Studierenden, Deutschkenntnisse zu vermitteln und auf etwaige Ergänzungsprüfungen für die Zulassung vorzubereiten. Die Erhöhung des Vorstudienlehrgangsbeitrags (VWU) von 465.- auf 1150.- pro Semester wird damit argumentiert, dass die Qualität der Deutschkurse gewährleistet werden muss. Leider ist es der ÖH Uni Wien nicht ersichtlich, wie die Verdopplung der Gebühren, zu einer automatischen Qualitätssteigerung führt. Drittstaatsangehörige können in Österreich nur dann studieren, wenn sie es sich leisten können. Nur solche die es sich leisten können, sind auch willkommen. 
Die Erhöhung des Beitrags für den Vorstudienlehrgang ist zweifellos eine Schikane für all jene, die das Pech hatten, den falschen Stempel im Pass zu haben. Gleichzeitig ist dies jedoch nur ein Teil eines umfassenderen Versuchs, rassistische Selektion und isolationistische Abschottungspolitik noch vermehrt en vogue zu betreiben.
 
Erst im Jänner diesen Jahres bekundete die damalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ihr Vorhaben, "Österreich unattraktiver zu machen". Als erster Schritt dieses Vorhabens wurden im Zuge der sogenannten "Flüchtlingskrise" erneut Asylrechtsverschärfungen durchgesetzt, welche auf die Schwächsten der Gesellschaft abzielen und diese aus gesellschaftlichen Partizipationsprozessen weiter ausschließen sollen. Durch das jahrelange Desinteresse der österreichischen Entscheidungsträger_innen an den Krisenherden globaler Fluchtbewegungen, waren in den letzten Jahren viele Menschen gezwungen ihre Heimat zu verlassen, um in Europa Fuß fassen zu können. Auch hier bekamen Andere die Konsequenzen einer verantwortungslosen Politik zu spüren: Zwar sind anerkannte Flüchtlinge, Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigte, ebenso wie Studierende aus sogenannten "least developed countries" durch die Neuregelung des VWU ausgenommen, jedoch soll es vor allem Angehörigen aus sogenannten Drittstaaten erschwert werden, in Österreich studieren zu können. Die Erhöhung des Beitrags des VWU zielt bisher nur auf Drittstaatsangehörige ab - treffen kann es jedoch in Zukunft jede_n, der_die nicht in das herrschende Konzept der Regierenden passt. Die zunehmende rassistische Abriegelung der Festung Europa zeigt sich nicht nur an der Grenze, sondern auch an universitären Zulassungsbeschränkungen für Nicht-Österreicher_innen.
 
Die österreichischen Entscheidungsträger_innen schmücken sich gerne mit wünschenswerten Attributen wie "Vielfältigkeit" und "Transparenz". Jedoch steht die Neuausrichtung des VWU, sowie aktuelle Migrations- und Außenpolitiken im diametralen Widerspruch zu ebendiesen Vorhaben: Zuletzt sollte die faktische Außer-Kraft-Setzung des internationalen Asylrechts auf Basis eines Notstandsgesetzes erfolgen, welches zur Folge hätte, dass Österreich Asylanträge in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen zulassen muss. Diese "Asylrechtsnovelle" sollte mittels eines Abänderungsantrags im Innenausschuss eingebracht werden - ein Eilverfahren, das keine Begutachtung durch die Opposition vorsieht. "Vielfältigkeit", "Transparenz" und "Menschlichkeit" sind längst nur noch leere Worthülsen.
 
Auch die Durchsetzung des Vorstudienlehrgangs hatte einen bloß scheinbar demokratischen und transparenten Werdegang. Im Rahmen der Verhandlungen wurde die ÖH Uni Wien weitestgehend aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine passende Illustration dessen ist, dass bis dato keinerlei Evaluierungsergebnisse der vorangegangenen Verhandlungen bereitgestellt wurden und jegliche Kritik daran mundtot gemacht werden soll. 
Die bisherige Konzeption des VWU berechtigte alleine einen Anbieter die zu absolvierenden Deutschkurse bereitzustellen: die Orient-Gesellschaft. Die mangelnde Professionalität und Effizienz dieser Deutschkurse war mit ein kolportierter Grund für die Umstrukturierung des VWU. Umso fragwürdiger erscheint es deshalb, dass - neben zwei zusätzlichen Anbietern - erneut die Orient-Gesellschaft dazu berechtigt wurde, die zu verpflichtenden Deutschkurse bereitzustellen. Zusätzlich konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden, ob und in welchem Rahmen eine öffentliche Ausschreibung der Universität Wien erfolgte.
 
Wir sehen uns daher mit einem zweifellosen Präzedenzfall konfrontiert, der als Türöffner für weitere intransparente und diskriminierende Umstrukturierungspläne fungieren könnte.
Undemokratische Entscheidungsfindungen und soziale Selektion betreffen letztlich alle Studierenden und stellen ein zusätzliches Hindernis für freie Bildung und vielfältiges Studieren dar. Die dramatische Erhöhung des VWU-Beitrags ebenso wie die geplanten Asylrechtsverschärfungen sind nur Teil eines größeren Vorhabens, um freies, vielfältiges Leben und Studieren für Alle, massiv-restriktiven Maßnahmen zu unterwerfen. Auch die Universität hat die wichtige Rolle zu übernehmen, Geflüchteten und Migrant_innen einen Wiedereinstieg in ihr Studium zu ermöglichen. Bildung ist bekanntermaßen das Werkzeug für soziale Mobilität. Wenn die Universität den Zugang zu Bildung beschränkt, dann tut sie das um eben diesen Gruppen den sozialen Aufstieg und ihre Chance auf Gleichberechtigung in der österreichischen Gesellschaft zu erschweren oder gar zu verhindern. 
Während soziale Kürzungen und rassistische Schikanen Nicht-EU-Bürger_innen immer mehr in die Armut treiben, soll das Studium für Alle unattraktiver gemacht werden.
Wenn demokratische Strukturen umgangen werden, um unpopuläre und diskriminierende Vorhaben durchzusetzen, darf dies nicht ohne Protest über die Bühne gehen.
 
Als ÖH Uni Wien fordern wir den unbeschränkten Hochschulzugang und das Recht auf freies Studieren! Gegen Schikanen im Studium und an der Grenze! #stopVWU
 
Ein in sozialpolitischer Schwerpunkt
Neben den Hürden, die Studierenden von Seiten der Universität in den Weg gestellt werden, ist vor allem die finanzielle Belastung, die ein Studium für Viele darstellt, zu beachten. Diese zeichnet sich über alle Altersgrenzen hinweg und betrifft laut der Studierenden-Sozialerhebung 2015 zwischen 15% und 35% aller Studierenden.  Einen großen finanziellen Aufwand stellen die Wohnkosten dar, da Student_innen laut der Erhebung im Durschnitt 36% des zur Verfügung stehenden monatlichen Budgets für Wohnen ausgeben, das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt der österreichischen Wohnbevölkerung. Gerade deshalb ist es für uns als ÖH Uni Wien unabdingbar, dass die Heimförderung wieder eingeführt wird. Außerdem muss der Zugang für die Wohnbeihilfe erleichtert werden, damit Wohngemeinschaften (WGs) auch auf diese zugreifen können. 
 
Auf österreichischen Universitäten beziehen derzeit 40.368 Studierende Studienbeihilfe. Die durchschnittliche Höhe der Studienbeihilfe beträgt derzeit 307€ monatlich. Generell ist festzuhalten, dass die letzte Inflationsanpassung der Studienbeihilfe im Jahr 1999 vorgenommen wurde und somit 17 Jahre zurück liegt. Allerdings hat sich die Lebensrealität der Studierenden in dieses 17 Jahren sehr wohl stark gewandelt.
 
Eine weitere besorgnisserregende Entwicklung stellen die sinkenden Ausgaben des 
Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft für die Studienförderung dar. Die Ausgaben fallen von Jahr zu Jahr stätig und sind alleine in den letzten 3 Jahren um 15,4 Millionen Euro gesunken. Auf der anderen Seite hat sich die finanzielle Situation der Studierenden kaum sichtlich verbessert. 
 
Studieren darf kein Privileg Weniger sein! Dies ist einer der Gründe, warum es wichtig ist, dass es ein gut durchdachtes Beihilfensystem, bei dem keine Studierenden auf der Strecke bleiben, umgesetzt werden muss.
 
Als ÖH Uni Wien treten wir dafür ein, dass die Studienbeihilfe erhöht wird! Wir sehen es als Notwendigkeit an, die allgemeine Studienbeihilfe in der Form zu erhöhen, die den Lebensumständen der Studierenden entspricht. Eine Inflationsanpassung ist das Mindeste!
 
Weil das Studium in Österreich von Jahr zu Jahr teurer wird, werden immer mehr Studierende dazu gezwungen, nebenher arbeiten zu gehen, um sich den Zugang zur Hochschule, das Leben um das Studium herum, sowie Lernunterlagen und Wohnen leisten zu können. Die Sozialerhebung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass mittlerweile rund 60% der Studierenden neben dem Studium erwerbstätig sind. Der Staat muss seine Verantwortung wahrnehmen und endlich ein flächendeckendes Stipendiensystem einführen!
 
Macht mit!
An diesen Punkten muss die Diskussion rund um unser Hochschulsystem unserer Meinung nach ansetzen. Im Monat der freien Bildung haben wir einen Fokus auf die Thematisierung von struktureller und  individueller Diskriminierung gelegt. Unsere Kampagne soll in zwei Phasen aufzeigen wo spezifische Probleme an der Universität liegen und was unserer Meinung nach passieren muss, um unsere Hochschule zu einem freien Entfaltungsraum für alle zu schaffen. Vor allem in ab Sommer wollen wir allen Studierenden der Universität Wien die Möglichkeit geben sich an der Kampagne der ÖH Uni Wien zu beteiligen und auch selbst Veranstaltugen mit zu organisieren. Wenn wir gemeinsam kämpfen, können wir eine Universität und ein Bildungssystem erarbeiten, dass allen Studierenden die Möglichkeit auf ein faires Studium bietet.
 
Zu weiteren Veranstaltungen werden wir euch auf der Homepage auf dem Laufenden halten. Macht mit, kritisiert, diskutiert, engagiert euch.
Eure ÖH Uni Wien
 
#1unilife