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Gegen nazistisches Gedankengut inner- und außerhalb der Hofburg

Jedes Jahr dieselbe Scheiße

 
Auch dieses Jahr findet in der Hofburg wieder der Akademikerball der FPÖ (ehemals der Ball des Wiener Kooperationsrings, des Dachverbands deutschnationaler Burschenschaften) statt. Auch dieses Jahr wird er von antifaschistische Protesten begleitet werden.
 
In den vergangenen Jahren konnten dank der massiven Proteste einige Erfolge verzeichnet werden: Beispielsweise musste sich 2013 die FPÖ als offizielle Veranstalterin vor die Burschenschaften stellen. Damit zeigte sie erneut, dass sie jederzeit dazu bereit ist, ihren rechtskonservativen Ruf aufzugeben, um offen Rechtsextreme zu unterstützen. Der Ball selbst wird immer weniger besucht: Als die Proteste begannen, hatte der Ball noch mehr als doppelt so viele Besucher_innen - auch das ist als Erfolg der Proteste zu werten. 
 
Dass die FPÖ heute diese Position hat, ist das Ergebnis komplexer Vorgänge: Zum einen führte der Mythos, Österreich sei das "erste Opfer des Nationalsozialismus" gewesen dazu. Doch genauso muss die Grundlage der Fremdenfeindlichkeit der FPÖ angegriffen werden: Das auf kapitalistischer Verwertbarkeit und Ausbeutung beruhende Konkurrenzsystem. Gleichzeitig mit den neoliberalen Kürzungen im Sozialbereich lässt sich ein Erstarken jener Ideologien beobachten, die auf der Konstruktion des "wir" und "die anderen" beruhen und dabei ersteren den Vorzug in sozialen Belangen geben. Beispielsweise hat die FPÖ kein Problem damit, ein Bettelverbot in Salzburg einzuführen und gleichzeitig eine Bedrohung "unserer" Obdachlosen durch ausländische Konkurrenz zu ihrem Thema zu machen. 
 
Der Wunsch, dem Ball der Rechtsextremen in der Hofburg etwas entgegen zu setzen, hat im vergangenen Jahr zur Begründung des Balls der Wissenschaften geführt. Bereits im Vorjahr wurde aber offensichtlich, dass es sich dabei um eine Veranstaltung ohne tiefgehende Gesellschaftkritik und ohne politisches Statement handelt. Ganz abgesehen davon, dass ein Ball diesem Anspruch gar nicht genügen kann, wäre doch vonseiten der Stadt Wien, der beteiligten Partner_innen sowie vonseiten der Ballorganisation eine politische Stellungnahme wünschenswert gewesen. Der Ball der Wissenschaften in seiner gegenwärtigen Form - als caritative Veranstaltung für Geflüchtete, als elitäre Austausch- und Vernetzungsmöglichkeit - ist  keineswegs die Art von Protest, die wir aus universitärem Bereich erwarten und einfordern. 
 
Eine derartige Veranstaltung ist in ihrer Gesamtkonzeption nicht imstande, dem institutionalisierten Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen. Deshalb rufen wir auch dieses Jahr alle dazu auf, sich an Protesten gegen den Akademikerball zu beteiligen. 
 
Uns ist bewusst, dass der Akademikerball nur ein Anlass von vielen ist, zu dem es gilt, dem organisierten und institutionalisierten Rechtsextremismus in Österreich auf der Straße entgegenzutreten. Ob der Wiener Korporationsring, ob Pegida, die Identitären oder die FPÖ - kein Raum dem Rechtsextremismus, beteiligt euch an den Protesten! Alerta!