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Erste Gedanken zur 650 Jahresfeier der Uni Wien

Zu ihrem 650-jährigen Bestehen veranstaltet die Uni Wien 2015 ein mehrwöchiges Jubiläumsprogramm, das sich vor allem an die breite Öffentlichkeit richtet. Doch schon im Vorfeld wurden und werden neue Imagekampagnen zur Einstimmung auf die Feierlichkeiten durchgeführt. Was die Uni Wien dabei gerne vergisst, ist ihre fragwürdige Vergangenheit. Nicht nur der Zugang für Frauen zu Bildung, die Rolle der Uni Wien im Austrofaschismus und im Nationalsozialismus, die Präsenz reaktionärer und nationalistischer Kräfte im Studienalltag prägen die Geschichte der Uni Wien nach wie vor, sondern zunehmend auch die Art und Weise, wie damit beim Jubiläum umgegangen wird.

Das Jubiläum als Imagepolitur

Abseits von Selbstreflexion und Selbstkritik feiert die Uni Wien schon jetzt ihr anstehendes Jubiläum. Sei es auf großen Transparenten vor dem Hauptgebäude oder durch die Beweihräucherung der „Alma mater“ in ausgewählten Artikeln auf dem uni-eigenen Weblog. Das „Standing“ der Uni Wien im öffentlichen Diskurs ist heute schlechter denn je. Harte Zugangsbeschränkungen, Knock-out-Prüfungen und eine veraltete Bürokratie sind nur drei von vielen studienrechtlichen Hürden, für die sich die Uni Wien vor einer breiten Öffentlichkeit verantworten muss. Das 650-jährige Jubiläum bietet Raum, eine Uni Wien abseits all dieser Bereiche zu zeigen. Die Internationalität und der „freie“ Zugang zu Bildung sollen dabei im Vordergrund stehen. Leistung und Tradition bilden die passenden Schlagworte dafür.

Auch wenn sich die Uni Wien öffentlich um eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte bemüht, sieht man nur wenige, marginale Punkte dazu im Jubiläumsprogramm. Zentraler dafür sind Social Media Events, Open-Air Kinos im Arkadenhof oder eine Leistungsschau auf dem Campus.

Gedenken nach 650 Jahren

Gerade Arkadenhof und Campus bilden zwei äußerst repräsentative Orte an der Uni Wien. Sie sind Räume für Gedenken aller Art, wenn es um die Geschichte der Universität geht. Doch für das Jubiläumsjahr soll kaum kritisch auf diese Gedächtnisorte eingegangen werden. Die belastenden historischen Fakten hinter einigen Denkmälern sind nach wie vor in noch keinen breiten öffentlichen Diskurs eingedrungen. So bleiben beispielsweise bis heute die Namen von NS-Tätern auf den Rektorentafeln oder dem Denkmal der Nobelpreisträger unkommentiert. Für das Jubiläum 2015 ist in der Gedenkkultur der Uni Wien noch keine Änderung geplant, Frauen werden auch nach den Feierlichkeiten im Arkadenhof nicht repräsentiert sein und die Unirampe wird noch immer als Sammelpunkt für den Couleurbummel der Korporierten fungieren.

Mehr Infos zur Geschichte der Universität Wien findest du in unserem Studienleitfaden: http://www.oeh.univie.ac.at/sites/default/files/CMS/dokumente/Studienlei...