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28Apr

Von der Utopie zur neoliberalen Wissensgesellschaft. Vortrag

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Die Utopie der Bildung versprach einst, daß der Mensch durch seinen Aufstieg zur Gottesebenbildlichkeit sich selbst und seine Welt durch Vernunft zu bilden ver­möchte: einem Bildhauer gleich. Bildung ist: höchste theoretische Einsicht in die Welt als Ganze, praktische Verwirklichung des Menschen als Menschen, der Ge­sellschaft als eines vernünftigen „Vereins freier Menschen“ – so daß der Mensch sich seiner selbst und seiner Verhältnisse bewußt ist. Als Prozeß ist Bildung: Welt- und Selbstaufklärung durch das „Ändern der Umstände“ und „Selbstveränderung“ ineins (Marx). Diese Idee wurde geboren in der Antike, radikalisiert in der Re­naissance, leitende Utopie in der Epoche der liberalen Aufklärung – um am Ende des 19. Jahrhunderts in der Ausbildung von Menschen zu Maschinenmenschen in einer Maschinengesellschaft unterzugehen. Die neueste Gestalt der Negation dieser Utopie durch den gesellschaftlichen Fetischismus ist der zur Globalisierung ver­allgemeinerte Neoliberalismus: die neoliberale Wissensgesellschaft.

Der Vortrag skizziert geschichtsphilosophisch die Genese und den Verfall der Uto­pie der Bildung in der praktischen Absicht ihrer Verwirklichung.

Vortrag von Gerhard Stapelfeld im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kritisch statt Kitschig: Veranstaltungen zu 650 Jahren Uni Wien

Hörsaal III im Neuen Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7